Wechseljahre

Jede Frau hat eine Menge Fragen zu den Wechseljahren. Was bedeuten die Wechseljahre? Warum treten sie auf? Wie werden sie sich auf das weitere Leben auswirken?

Zunächst ein paar Begriffe, die in Zusammenhang mit den Wechseljahren häufig benutzt werden.

  • Klimakterium ist der medizinische Ausdruck für den gesamten Zeitraum der Wechseljahre. Das Klimakterium stellt die gesamte Übergangsphase von der noch vollen Geschlechtsreife bis zum Senium der Frau dar, d.h. die Zeit zwischen dem 45. Und 60. Lebensjahr.
  • Menopause bezeichnet die letzte Menstruation im Leben einer Frau. Wann die eigentliche Menopause eingetreten ist, weiß die Frau erst ein Jahr später. Das sichere Zeichen dafür ist die Tatsache, dass in einem Zeitraum von zwölf Monaten keine Menstruation mehr stattgefunden hat.
  • Prämenopause bezeichnet den Zeitraum vor der letzten Menstruation.
  • Perimenopause wird der Zeitraum 2 Jahre vor und nach der Menopause bezeichnet.
  • Postmenopause bezeichnet den Zeitraum nach der letzten Menstruation.

Die Eierstöcke sind die einzigen endokrinen Drüsen beim Menschen, die ihre spezifische Funktion lange vor dem Ende des Individuums einstellen. Die allmähliche Hormonverschiebung während der Wechseljahre, insbesondere die nachlassende Östrogenproduktion, ist jedoch kein krankhafter, sondern ein ganz normaler und natürlicher Prozess.

Das Erlöschen der Eierstockfunktion verläuft in Phasen und ist für jede Frau anders: Beginn, zeitlicher Verlauf und Ausmaß der Veränderungen sind unterschiedlich.

Für ein Drittel der Frauen verläuft das Klimakterium symptomlos, ein weiteres Drittel beklagt leichte bis mittelschwere Symptome, für ein weiteres Drittel bedeutet das Klimakterium gravierende körperliche und/oder psychische Beschwerden.

Insbesondere nach der Menopause machen sich bei den meisten Frauen klimakterische Beschwerden bemerkbar. Ca. 30% der Frauen bedürfen in der Prämenopause einer Behandlung. Unter den verschiedenen Erscheinungen des Klimakteriums spielen Gefäßreaktionen wie Hitzewallungen (70%), Schwitzen (ca. 55%) und Schwindel (ca. 45%) die größte Rolle. Bei mehr als der Hälfte der Frauen stellt sich im Laufe der ersten zwei Jahre nach der Menopause eine Erhöhung des Blutdruckes ein.

In der Postmenopause entwickeln ca. 25% der Frauen ein Osteoporoserisiko. Hier spielen die genetische Disposition, ein sehr schlanker Körperbau, frühe Menopause, Bewegungsmangel, Kortisontherapie und Rauchen eine entscheidende Rolle.

Welche Ursachen hat das Klimakterium und wie wirkt es sich aus?

In den sogenannten Wechseljahren kommt es zu charakteristische Umstellungen im Funktionskreis der Eierstöcke. Das Keimgewebe der Eierstöcke verbraucht sich während der gesamten Zeit der Geschlechtsreife weitgehend und so versiegt zunehmend auch die Östrogenbildung.

Organische Veränderungen im Klimakterium betreffen bevorzugt die Zielorgane der Östrogene, speziell die Gebärmutter, die Scheide, die Schamlippen und die Brustdrüsen. Diese erfahren eine zunehmende Rückbildung, unter anderem auch durch die herabgesetzte Durchblutung. Die Gewebe können schrumpfen und werden für Infektionen anfälliger.

Daneben treten Störungen der vegetativen Balance auf. Diese sind insbesondere durch anfallsweise Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen und durch Herzrasen gekennzeichnet. Weitere Symptome können Schlaflosigkeit, Minderung der Leistungskraft, Nervosität, Depressionen, Kopfschmerzen und Antriebsarmut sein.

Im Knochensystem begünstigt die Hormonlage im Klimakterium Arthrosen und vor allem die Osteoporose mit erhöhten Verlusten an Knochenmasse. Es kann zu chronischen Schmerzen im Rücken sowie in den Armen und Beinen kommen.

Abschließend zum reichhaltigen Beschwerdekomplex muss man jedoch hinzufügen, dass die charakteristischen Beschwerden nicht nur hormonell zu erklären sind. Konstitution, Persönlichkeit, familiäre Situation, Lebensgeschichte und sozioökonomische Faktoren sind mitbestimmend für das individuelle Erleben und Bewältigen der klimakterischen Übergangsperiode. Viele Frauen empfinden aber die Wechseljahre mehr oder weniger stark als Identitätskrise, Prestigeverlust und endgültigen Abschied vom Jugendalter.

Was passiert, wenn ich wegen meiner Wechseljahrsbeschwerden meine Frauenärztin aufsuche?

Wenn eine Frau wegen klimakterischer Beschwerden ihre Frauenärztin aufsucht, werden zunächst eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte und eine gynäkologische Untersuchung vorgenommen. Dazu gehören die Inspektion des Genitals, ein Tastbefund und eine zytologische Gewebeuntersuchung des Vaginalgewebes.

In Ausnahmefällen kann eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der weiblichen Geschlechtshormone notwendig sein.

Sind alle Ergebnisse zusammengetragen wird Ihre Frauenärztin mit Ihnen eine individuelle Therapie besprechen.

Welche Therapie kommt für mich in Frage?

Die Therapie der Wechseljahrsbeschwerden hängt von der Art und Intensität der Beschwerden, von Risikofaktoren für Osteoporose und Herz-/Gefäßerkrankungen, von Vorerkrankungen und von der jeweiligen Einstellung der Frau zur Behandlung ab.

In jedem Fall sollte über die Risiken des mit dem Klimakterium beginnenden chronischen Östrogenmangels aufgeklärt werden, um eine eigenverantwortliche Entscheidung über eine prophylaktische oder symptombezogene Behandlung zu ermöglichen.

Eine wichtige Behandlungsform klimakterischer Beschwerden ist die Hormontherapie mit Östrogenen und Gestagen (Gelbkörperhormon). Diese Sexualhormone dienen nicht nur der Fortpflanzung, sondern tragen wesentlich zur verbesserten Gesundheit und Befindlichkeit bei. Die Wahl des Hormonpräparats richtet sich nach dem Stadium der Übergangsperiode, d.h. ob die Beschwerden in der Prämenopause oder Postmenopause auftreten sowie nach der Intensität der Beschwerden.

Die Hormontherapie wird am besten unterstützt durch eine eiweißreiche Ernährung und eine ausgewogene körperliche Bewegungstherapie. Hinzu kommt bei bestehender Osteoporose die Behandlung mit Kalzium und Vitamin D.

Sind keine Risikofaktoren für eine Osteoporose oder Herz-/Gefäßerkrankung bekannt, können vegetative Symptome in den Wechseljahren auf Wunsch der Patientin auch mit Phytohormonen behandelt werden. Hierbei handelt es sich um Stoffe (z.B. Cimicifuga), die in der Natur vorkommen und den weiblichen Geschlechtshormonen ähneln.

Bei Beschwerden, die nicht auf eine hormonelle Therapie ansprechen, sollte neben einer internistischen Abklärung auch an seelische und soziale Probleme gedacht werden. In diesen Fällen kann eine Gesprächstherapie sinnvoll sein.

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